Die Baureihe 119 der Deutschen Reichsbahn
Die letzten 219 im alten Lack
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Die letzten 219 im alten Lack

Da waren es nur noch knapp zwei Dutzend - Maschinen, wohlgemerkt. Die Rede ist von den Dieselloks der Baureihe 219 in der traditionellen DR-Lackierung mit der harmonischen rot-beigen Farbkombination. Dieser Beitrag, der nach aktuellem Stand die letzten Maschinen und ihre Einsatzstrecken vorstellt, folgt der gewandelten Wertschätzung für diese Lokomotiven: Je mehr Vertreter der BR 219 in Folge von Umlackierungen und - zur Zeit noch wenigen - Ausmusterungen vom Schienenstrang verschwinden, desto größer wird das Interesse an den verbleibenden Exemplaren. Keine Spur mehr von der strikten Ablehnung, die den ersten ,,U-Booten" vor nunmehr zwei Jahrzehnten entgegenschlug, als diese rumänischen Im­portlokomotiven in die Einsatzgebiete der Dampfloks aus Saalfeld und Probstzella eindrangen. Diejenigen 219, die sich heute noch im alten Lack präsentieren, zehren von ihre. Untersuchungsfristen aus den Jahren 1992 bis 1994. Rein rechnerisch wird die Ära der rot-beigen Maschinen am 7. November 2002 enden, wenn 219 062 nach Ablauf der achtjährigen Zeitfrist in das zuständige Werk Chemnitz einrückt. Abgesehen davon, dass größere Schäden eine vorgezogene Hauptuntersuchung mit verkehrsrotem Neulack bewirken können, ist die Zukunft der gesamten Baureihe 219/229 im Dienste der DB Regio ungewiss. Die angelaufene Indienststellung von Triebwagen in großen Stückzahlen spielt in diesem Zusammenhang ebenso eine Rolle wie der faktische oder drohende Verlust weiterer Einsatzstrecken in Folge der Betriebsübernahme durch andere Eisenbahnverkehrsunternehmen oder von Stilliegungen aufgrund einer maroden Infrastruktur. Hinzu kommt die hohe Störanfälligkeit der 219, die fraglos dazu beiträgt, die grundsätzliche Abneigung gegen zweimotorige Fahrzeuge und die daraus resultierende Präferenz für die BR 218 noch zu verstärken.

Die diesbezüglichen Fakten sprechen eine deutliche Sprache: Mit 229 102 ist mittlerweile (nach nicht einmal acht Dienstjahren!) das erste Exemplar der ,,Edel-219" ausge­mustert worden, die turnusmäßigen Untersuchungen an zehn Maschinen dieser Baureihe im zweiten Halbjahr 2000 können keinesfalls als gesichert angesehen werden. Die KBS 546 Gera - Mehlteuer, eine traditionelle Einsatzstrecke der 219 aus Gera, wird ab Sommer durch die Vogtlandbahn bedient. Ab Juni 2001 übernimmt die Süd-Thüringen-Bahn den Verkehr auf der ,,Werrabahn“ Eisenach - Meiningen - Eisfeld

Der ,,Elstertalbahn“ (KBS 541 Gera - Weischlitz) droht aufgrund eines abgängigen Brückenbauwerks in Gera Liebschwitz die Unterbre­chung. Die RE-Leistungen zwischen Erfurt und Göttingen gehen ab Sommerfahrplanwechsel von der BR 219 auf die Neightechnikzüge der BR 612 über. Die Cottbuser 219 auf der ,,Ostbahn“ Berlin - Küstrin sollen ab dem Jahreswechsel 2000/2001 durch die altehrwürdigen und (zum wievielten Mal?) modernisierten Triebwagen der BR 624 ersetzt werden.

Bis März 1993 sind alle zur Untersuchung anstehenden 219 nach dem rot- beigen - Farb­schema lackiert worden. Ausnahmen bilde­ten 219 078 und 087, die im März bzw. Juni 1991 bei den Regental Fahrzeugwerkstätten (RFG) instand gesetzt wurden. Krampfhaft und im Ergebnis entsprechend missraten, wurde dabei versucht, die beiden Maschinen dem damaligen DB-Farbschema durch eine dominierende orientrote Grundfarbe und ei­nem nicht zu klein geratenen weißen Kontrastfeld auf den Frontpartien (,,Lätzchen“) anzupassen. Mit 219 025 ist am 31. März 1993 die erste Maschine aus Chemnitz ent­lassen worden, deren rot-weißer Anstrich dem der BR 229 entspricht. Dieser Umstand ist insofern interessant, als dass die erste 229 bereits zehn Monate vorher in Rot-weiß in Dienst gestellt wurde. Lediglich im zweiten Halbjahr 1993 erhielten alle zur Neulackie­rung anstehenden 219 konsequent die rot­weiße Farbe. Bereits 1994 kam es wieder zu Prototyp unter Beweis, wie man ein Triebfahr­zeug durch eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen Form- und Farbgebung verunstal­ten kann. Wenigstens währte diese Episode nur knapp anderthalb Jahre.

Mit 219 166 präsentierte sich am 25. September 1997 die erste Maschine im ver­kehrsroten Anstrich mit dem weißen Warn­balken auf den Stirnseiten. Gemäß diesem Farbschema werden seitdem alle Lokomotiven gespritzt, an denen ein neuer Anstrich ausgeführt wird.

Derzeit verteilen sich die 21 betriebsfähi­gen rot-beigen 219 auf die Regionalbereiche Ostdeutschlands wie folgt (in Klammern rot-weiße Lokomotiven im 229-Design): Sachsen-Anhalt 4 (2) Maschinen, Berlin-Bran­denburg 3 (1), Thüringen 6 (3) und Sachsen 8 (4). Nach der Revision von 219 143, die gemäß Arbeitsplan für das erste Quartal 2000 vorgesehen war, verfügt der RB Mecklen­burg-Vorpommern (NL Rostock) über keine altfarbene Maschine mehr.

Unter Berücksichtigung der für das Jahr 2000 vorgesehenen Hauptuntersuchungen und unterstellt, dass es zu einer vollen Aus­nutzung der Zeitfristen kommt, wird sich der Bestand an 219 im alten Lack wie folgt de­zimieren: Das nächste Jahr erleben noch 13 Maschinen, den Beginn des Jahres 2002 noch neun, deren Anzahl sich bis zum Halbjahreswechsel allerdings auf ganze fünf Exemplare reduzieren wird. Höchste Eile ist also geboten.